Die Themen 1999-2004: FORTSCHRITT IN DEN KÜNSTEN UND DER KUNSTFORSCHUNG. DIE INTERNATIONALE AKTUALITÄT UND DIE VERBORGENE ÖSTERREICHISCHE VORGESCHICHTE DES WIENER KREISES | ||||
Die bisher im Rahmen des Projektes geleisteten Arbeiten lassen zwei Themenkomplexe erkennen, die trotz ihrer unübersehbaren Bedeutung für die österreichische Geistesgeschichte bisher noch nicht systematisch behandelt worden sind und die sich deswegen für die kommende Phase des Projektes geradezu aufdrängen:
Schwerpunkt 1:
Das Wort "Fortschritt" wird häufig und in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Im Dialog der Disziplinen fällt es leichter als im Fachmonolog, die zuweilen bedenkenlos unkritische Verwendung unklarer Termini hintanzuhalten und ein wenig Sprachhygiene zu treiben. Damit könnte man zur Antwort auf die Frage gelangen, welcher Sinngehalt diesem Begriff in der Kommunikationswissenschaft, in der Soziologie oder in der Kunstwissenschaft zuzuweisen wäre und ob dieser sich mit dem Verständnis jener Forscher deckt, die sich der Abschätzung des Technologiefolgen widmen oder dem Verständnis einer Kulturpolitikwissenschaft (soferne es diese überhaupt schon gibt).
Wenn man zur Annahme neigt, daß Wege zu einer ausgearbeiteten Theorie des Fortschritts in den Künsten "prinzipiell möglich sind" (Knepler 1977, 531), dann muss man wohl fragen, unter welchen Aspekten von Fortschritt die Rede sein könnte. |
Der Begriff des Fortschritts ließe sich anwenden auf:
Schwerpunkt 2: Beim Versuch, das Verhältnis des Wiener Kreises zu den Künsten zu bestimmen und die Vorläufer der von Moritz Schlick, Rudolf Carnap, Hans Hahn und Otto Neurath angeführten Denkschule namhaft zu machen, wird man mehr als einmal dem Namen eines Mannes begegnen, der seine wissenschaftliche Tätigkeit als Astronom an der Wiener Sternwarte begonnen und danach als Philosoph an den Universitäten Olmütz, Prag und Wien fortgesetzt hat: Robert Zimmermann (1824-1898). Seine zweibändige Ästhetik und seine Vorlesungen zu diesem Thema haben auf das Kunstdenken in Österreich nachhaltigen Einfluss ausgeübt, von dem, soweit man sehen kann, nur gelegentlich die Rede ist. Das ist wohl ein Mangel, wenn man bedenkt, daß Eduard Hanslick den Text seiner Schrift Vom Musikalisch-Schönen unter dem Einfluss seines Freundes Zimmermann geändert hat und daß Zimmermanns Denkweise auch in die Wiener Schule der Kunstgeschichte eingegangen ist. Der Kunstwissenschaftler Alois Riegl, der Zimmermanns Vorlesungen über Psychologie und Geschichte der Philosophie gehört hat (Olin 1984: 34, Anm. 13), übernahm von Zimmermann, wenn auch nicht ausschließlich von ihm, jene antimetaphysische Haltung, die später für den Wiener Kreis bestimmend werden sollte. Zimmermann selbst stand in seinem Kunstdenken zu Beginn noch ganz unter dem Einfluss seines väterlichen Freundes und Lehrers Bernard Bolzano. In einem Vortrag, den er nach Bolzanos Tod in der Akademie der Wissenschaften in Wien halten durfte, pries er den Grad streng wissenschaftlicher Behandlung und Zergliederung der Begriffe, den Bolzano in seiner Kunstlehre erreicht hatte und der "bisher noch unbekannt, ja nicht selten geradezu verpönt war".(Zimmermann 1849:171) Bald danach formulierte der an der Prager Universität wirkende Zimmermann einige Grundsätze seiner eigenen Kunstauffassung, die sich gegen die Spekulationen der idealistischen Philosophie und vor allem gegen den Hegelschen Apriorismus wandte, der nicht nur Vergangenheit und Gegenwart, sondern auch die Zukunft begreifen wollte. Zimmermann (1854:38) charakterisierte diese Denkart mit den boshaften Worten: "Der Philosoph sieht dem Schicksal in die Karten und spielt sie aus." |
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